Tallinn – Freitag hin, Sonntag zurück


Jetzt doch mal einen Text zur Fahrt nach Tallinn vor zwei Wochen.

Wir waren insg. 15 Studenten, davon nur 3 Leute von dem Sprachkurs in Oulu, der Rest waren WG-Mitbewohner und andere Mitstudenten. Trotzdem war auch diesmal das Wetter sehr gut, die ganzen drei Stunden Überfahrt nach Tallinn, ca. 85km, hatten wir Sonnenschein und konnten auf dem Deck sitzen, trotz starkem Wind und einer nicht mehr ganz sommerlichen Lufttemperatur. Erstmal gings durch die ganzen Schären aus dem Hafen von Helsinki hinaus, vorbei an Soumenlinna, dass wir ja schon während der ersten Tage in Helsinki von der Landseite besichtigt hatten. Auf der Ostsee war dann auch relativ viel los, hin und wieder wiederholten uns die schnellen Boote von Helsinki nach Tallinn, da gibts schnelle Autofähren die doppelt so schnell fahren und Tragflächenboote die eine gute Stunde für die Strecke brauchen. Bei letzteren wäre das draußen sitzen nicht mehr möglich gewesen, außerdem war unsere Fähre die billigste, vermutlich auch wegen den Einnahmen aus dem bordeigenen ‘Oktoberfest’, diversen Spielautomaten und einem Duty-free shop, der allerdings auf der Hinfahrt von uns eher für estnische Schokolade genutzt wurde, von denen Mitreisenden auch oft nur für Süßkram oder Bier für den Tagesbedarf … geht ja schließlich auch noch wieder zurück, warum jetzt schon was kaufen.

Als wir endlich die Straße von dem Hostel in Tallinn gefunden hatten, suchten wir erstmal den Eingang. Wir waren gleich richtig, hatten uns aber vom großen Schild über der Tür abschrecken lassen, besichtigten erstmal den eindeutig nicht renovierten und ziemlich heruntergekommenen Hinterhof. Von vorne her sieht aber alles sehr schön renoviert aus …
Das Hostel kostete uns 13Euro pro Person und Nacht, war sauber und sogar relativ ruhig, was allerdings vermutlich auch daran lag, dass man innerhalb des Hostels bestimmt 300m laufen konnte, da es sich anscheinend über mehrere Stockwerke in unterschiedlichen Häusern erstreckte. So kam es mir zumindest vor. Die Tür am Notausgang erfüllt ihre Funktion so bestimmt nicht, aber ok …

Nachdem wir die Zimmer bezogen hatten, machten wir uns erstmal auf die Stadt anzugucken, die Altstadt erstmal. Oben am Parliamentsgebäude verfolgten wir eine Rede eines Politikers ohne ein Wort zu verstehen, versuchend offensichtliche Differenzen zwischen Estnisch und Finnisch zu hören oder Wörter zu erkennen die es im finnischen auch gibt. Letzteres funktionierte sogar hier und da. Später haben wir herausgefunden dass an dem Wochenende gerade ein neuer Präsident gewählt wurde. Deshalb vermutlich auch die öffentlichen Konzerte an allen Tagen auf verschiedenen Plätzen, was dann auch ziemlich viel unserer zeit in Anspruch nahm.

Irgendwann dann angefangen die Kneipen und Bars und später Diskos abzuklappern (Karaokebars sind in Tallinn ähnlich verbreitet wie in Finnland, fragt man sich nur ob das die Esten selber auch so toll finden oder ob das für die Finnen auf Sauftour ist), irgendwie waren auch alle reichlich müde.

In einer Brauerei dann gegessen und gutes Bier getrunken. Essen war ziemlich gut, das Bier auch, aber das drumherum war doch ein wenig zu touristisch. Ich weiß nicht, aber wenn ich was essen will, dann brauch ich irgendwie keine Livemusik von Leuten die Lieder in Sprachen singen die sie offensichtlich nicht beherrschen. Auch besoffen wär’s glaubich nicht lustiger gewesen. Aber ansonsten gut, wie gesagt. Gegen Mitternacht bin ich dann noch einmal zum Hafen um noch zwei Mitbewohner aus meiner WG abzuholen, die erst abends um neun in Helsinki losgefahren sind.

Auffällig war abends in Tallinn die Kleidung der jungen Frauen die da rumliefen. In Deutschland würde man sowas glaub’ich eher Richtung Rotlichtviertel einordnen, aber das war die normale Altstadt, Kneipen, Diskos. Ok, ist vermutlich nicht repräsentativ für Tallinn, schließlich werden die Kneipen in der Altstadt natürlich schon eher touristisch orientierte Preise haben … ( nein nils, gibt keine fotos )

Am zweiten Tag dann auch mal ein wenig außerhalb der Altstadt rumgelaufen, da gibts dann mehr runtergekommene Häuser, billigeres Essen, aber auch krasse Gegensätze wenn da ein Glaspalast neben einem älteren Haus mit zerbrochenen Fensterscheiben gebaut worden ist. Dummerweise hatte ich an dem Wochenende n entzündeten Fuß, sodass das Rumlaufen nicht so ganz spaßig war. Dann auch noch Vodka, Schokolade, Rosinen und Marzipan gekauft. (im Tallinner Marzipanmuseum waren wir allerdings nicht … macht dann auch Sinn warum meine estnische ‘Gastfamilie’ mir damals Marzipan zu Weihnachten geschickt hat) Und ja, die estnische Schokolade mit Knusperkrams und Blaubeeren ist nicht schlecht, aber auch die Kirschvariante ist nicht schlecht, wir hatten auf dem Schiff auf der Hinfahrt schonmal alle Sorten durchprobiert die es da gab.


Die engen Gassen erinnerten mich an Lübeck, Tallinn war ja auch eine Hansestadt. Am Restaurant ‘Olde Hanse’ war eine Reihe von Wappen von Hansestädten befestigt, hab mich gewundert warum Kiel auch dabei war. Aber bis 1518 war auch Kiel Hansestadt.

Auch am letzten Tag wieder gutes Wetter, noch einmal in der Altstadt rumgelaufen, Touris gucken, Straßenverkäufer abwimmeln die einem russische Pässe oder Gasmasken verkaufen wollten, und weiter das Wetter genießen, Pizza essen die mittlerweile mindestens 4Euro kostet, wenn man nicht allzuweit laufen will/kann. Dann noch die meisten  Botschaften in der Innenstadt von außen angeguckt, das hier ist bspw. die deutsche Botschaft dort. Die finnische war mir gleich am ersten Tag aufgefallen, da die Flagge über die ganze Altstadt zu sehen war.

Kurz vor der Abfahrt sind wir noch auf der Stadt/Eishalle rumgelaufen, der Architektur nach bestimmt russischer Herkunft.

Auch auf der Rückfahrt hatten wir wieder gutes Wetter, allerdings zog dann eine Stunde vor Helsinki dichter Nebel auf und es war draußen nicht mehr angenehm. Aber drinnen gabs ja noch den duty-free shop zu besichtigen …


Da die Maximalmengen die in der EU üblichen sind, kann man natürlich nicht selber aus dem duty-free shop oder auf das Schiff in Tallinn tragen. Dafür gibts kleine Wägelchen, die kann man entweder so kaufen, oder es gibt sie manchmal auch zu 5l Wodka dazu. Viele Finnen bringen natürlich von vornherein ihren eigenen mit …

In Helsinki sah das dann so aus:


In Hki dann war der Nebel nicht mehr so dicht, dann ging es vom Fährterminal mit dem Bus wieder Richtung Kumpula. Die Busse waren erwartungsgemäß komplett überfüllt …

… aber ab Hauptbahnhof gabs dann wieder für alle n Sitzplatz

Sonstige Bilder gibt es wie immer hier.

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Eine Antwort auf Tallinn – Freitag hin, Sonntag zurück

  1. Christina sagt:

    Hey Johannes,

    deine Bilder sind spitze! Manche davon koennten echt Postkartenmotive sein und deine Kommentare sind auch sehr treffend ;-)

    Soso, die Maedels in Tallinn sehen also so aus wie aus dem Rotlichtviertel… die Groupies hier auch (sowohl von den Sportlern, als auch die vom Australier, aber manchmal ueberschneidet sich das auch)… Kein Wunder also, dass einer der Austauschstudenten, der hier in ner Stripbar war, ziemlich enttaeuscht war (Es gibt naemlich ein Ausziehverbot in North Carolina…)

    Also noch LG,
    Christina

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