Lappland im ungewöhnlichen Spätherbst (Ende November)


Am 28. November fuhren wir mit einem Nachtzug von Helsinki nach Rovaniemi, um dann dort nach kurzem Zwischenstopp mit dem Bus ca. 80km weiter zu unseren Hütten in Korvala/Tiainen weiterzufahren. Wie sich schon vorher im Wetterbericht abzeichnete, hielt sich der Schnee und Kälte in Grenzen. Die Zugfahrt war recht angenehm und die Schlafwagen mit richtigen Betten incl. Bettwäsche und Handtuch. Jede Kabine klimatisiert und sehr ruhig, wenn man mal von den Insassen teilweise absieht. Und das Ganze für gut 5€ mehr, deutlich angenehmer als die Fahrt im August von Oulu nach Helsinki sitzenderweise.

Der Rovaniemi-Schriftzug am Bahnhof machte schonmal einen passend sympathischen Eindruck von Rovaniemi wie wir im EILC Kurs im August hatten …
Wenigstens auf der Tür zum Bahnhof gab’s Schnee, und auch in einer Ecke vom Bahnhof wurde welcher gefunden.
Nach kurzer Pause im Bahnhof gings zu einem Supermarkt in dem wir uns mit viel zu viel Brot, Obst und teilweise auch Alkoholika eindeckten. Dann erstmal auf zum Weihnachtsmanndorf, in dem derselbe eigentlich nicht hätte sein dürfen, da er in Helsinki den Weihnachtsmann eröffnete, aber das war dem aus Rovaniemi nicht bekannt ;)  Das Dorf sah ähnlich aus wie im Sommer, die gleiche schreckliche Musik, nur nun gab es auch drei Schneemänner, und eine blaue Lichterkette entlang des Polarkreises – toll.

Natürlich auch wieder im Postamt gewesen, diesmal aber die Postbeamtinnen mit roten Zipfelmützen fotografiert …

Im Gegensatz zum Sommer gabs diesmal dort kästenweise Post an den Weihnachtsmann, der anscheinend für viele Länder am Nordpol wohnt, der aber in Finnland liegt – nunja. Die Finnen dagegen schrieben eher an ihren Joulupukki in 99999 ‘Polarkreis’. Kommt anscheinend eh alles an, wird in Kästen sortiert und dann irgendwie weiterverarbeitet, zumindest lagen da auch Kästen mit geöffneten Briefumschlägen rum.

Als wir ankamen hatten wir wenigstens noch Schneematsch, der allerdings dann die folgenden Tage durch Regen auch immer weiter minimiert wurde. Durch leichten Nachtfrost war das ganze dann aber doch hin und wieder spannend, inbesondere auf dem See bildeten sich interessante Strukturen.
Die Tageslänge mit vier Stunden war deutlich kürzer als in Helsinki und gewöhnungsbedüftig. Wenn man nachmittags um 3 bei kompletter Dunkelheit schon auf das Abendessen um sieben wartet und dann erstmal n paar Scheiben Brot isst – nix zu tun, draußen stockfinster, eh zuviel Brot da, und Finnisch lernen war irgendwie auch nicht drin …

Trotz suboptimaler Schneeverhältnisse sind wir dann nach Pyhä zum Skifahren gefahren. Vorher noch richtig ekelhaft touristische Huskies und Rentiere geguckt – Schlittenfahren war dann aber wegen dem Wetter natürlich nicht möglich. Der ’Berg’ in Pyhä ist ca. 600m hoch, und die Piste bestand nicht komplett aus Eis, neben der Piste konnt man sogar recht weit in den Schnee einsinken, die Eisschicht oben drauf war noch nicht tragfähig, zumindest nicht für so schwere Leute wie mich. Langlaufskifahren war nicht möglich, deshalb war die Hälfte der Gruppe wandern, ohne großen Plan, aber doch mit teilweise netten Runden. Die deutsche Physikerfraktion war fast geschlossen unterwegs, dabei 2 Rumänen, die erst nachdem sie wussten dass wir Physiker sind irgendwie Vertrauen in unseren Orientierungsinn hatten … was auch immer das miteinander zu tun hat.

Abends dann wie jeden Abend Sauna und Baden im See, ein Loch wurde durch ein Umwälzpumpe immer eisfrei gehalten und war sogar beleutet. War sehr angenehm, war auch wenig Wind, und die Sauna schön warm, keine kalten Füße o.ä.

Vom eigentlichen Programm blieb dank Wetter nicht viel übrig, so waren wir am nächsten Tag wandern, und sahen von einem Hügel gegen Mittag auch direkt die Sonne durch die Bäume. Ingesamt war dort der Wald allerdings noch relativ klein, da die Besitzer der Hütten, bzw. deren Vorfahren angefangen vor ca. 100 Jahren das Holz zum Hausbauen und heizen nutzten. Damals war Korvala eine der vielen Zwischenstationen auf dem weg zum Eisfreien Nordmeer, insbesondere um die Pferde zu wechseln/unterzustellen. Die schafften dort im Norden ca. 10km am Stück, im Süden Finnlands waren es angeblich 25km, was am Abstand der doch teilweise recht unmotiviert aussehenden Dörfer/Häuser zu erkennen sein soll.

Drei Physiker aufm Eis. Nach dem Wandern lagen wir da ne Weile rum, guckten uns Luftblasen im Eis an, machten Versuche zur ‘Impulsübertragung’. Interessanterweise waren während dieser Zeit wenige (keine/r) der anderen auf dem Eis, die gingen nur am Ufer längs. Aber unsere Gruppe aus sechs PhysikerInnen hatte hatte spätestens da ihren Ruf weg, neben der Tatsache dass wir abends höchstens mal ne Viertelstunde im Gemeinschaftsraum zu sehen waren und nach der Sauna da auch immer wieder schnell weg waren.

Eisangeln ist furchtbar aufregend, interessant, spannend und man weiß garnicht wohin mit den Fischen.

Nochmal Mittagssonne ….

Hütte mit Bewohnern …

Rovaniemi ohne Schnee. Eigentlich hatte ich auf Schnee gehofft, die Stadt selbst war nicht so schön im Sommer. Mit Schnee wär’s ja vielleicht gegangen …
Milch gab’s in einer Pizzaria in Colabechern …

Die Abfahrttafeln im Bahnhof in Rovaniemi sind schon schön übersichtlich. Aber erstmal ging es dann ja noch nicht nach Helsinki, erstmal nur drei Stunden bis Oulu.

weiter Bilder

Nachtrag: Sammlung von Bildern von mehreren Leuten auf der Fahrt

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